Der Ministerpräsident hat wieder einmal bewiesen: Er macht gerne Politik mit vermeintlich einfachen und schnellen Lösungen.
Dass diese auf Dauer kaum Bestand haben können, scheint ihn dabei wenig zu interessieren. Denn wer dem Lehrkräftemangel wirklich dauerhaft entgegenwirken will, müsste sich eigentlich darum bemühen, den Beruf attraktiver zu machen, statt die Arbeitsbedingungen immer weiter zu verschlechtern.
Schon jetzt arbeiten viele Lehrkräfte am Limit. Für das aktuelle Schuljahr mit dem ersten Jahrgang der neuen Q13 mussten einige Gymnasien zur Sicherstellung der Unterrichtsversorgung ihre Klassengrößen heraufsetzen. Damit einher geht eine höhere Belastung im Unterricht selbst, in der pädagogischen Arbeit und nicht zuletzt bei den Korrekturen.
Nun kündigt die Staatsregierung in dieser ohnehin angespannten Lage auch noch an, die familienpolitische Teilzeit nach dem 15. Geburtstag der Kinder zu streichen und parallel das Mindeststundenmaß von 20 Prozent auf 30 Prozent hochzusetzen. Dabei hatten doch viele Lehrkräfte am Gymnasium im letzten Schuljahr auf den Aufruf des Ministerpräsidenten reagiert und freiwillig ihr Teilzeitmaß erhöht, um ihren Beitrag für die Unterrichtsversorgung zu leisten.
Die Koalition aus CSU und Freie Wähler, die bei jeder Gelegenheit mit dem Slogan „Bayern ist Familienland“ wirbt, macht sich mit dieser Entscheidung absolut unglaubwürdig. Besonders Frauen, die oft zwischen Kinderbetreuung und schulischen Aufgaben jonglieren müssen, fühlen sich nach dieser Ankündigung unter Druck gesetzt und im Stich gelassen.
Die Fachgruppe Gymnasium im BLLV fordert den Dienstherrn dazu auf, seiner Fürsorgepflicht nachzukommen und dauerhafte Lösungen zu entwickeln statt auf kurzfristige Zwangsmaßnahmen mit fragwürdiger Wirksamkeit zu setzen.
Tamara Thum, stellv. Leiterin der Fachgruppe Gymnasium

